
Anna Masser im Porträt
"Bleib wie Du bist – Der Rest kommt von selbst."
Anna Masser, Partner bei A&O Shearman, darüber, was sich seit ihrem letzten Interview mit breaking.through aus dem Jahr 2018 bei ihr verändert hat, dass große Chancen sich oft aus zufälligen Begegnungen ergeben und was sie von Plattformen wie breaking.through gelernt hat.
Was hat sich seit Deinem letzten Interview mit breaking.through bei Dir verändert?
Damals war ich Of Counsel bei Jones Day, heute bin ich Partner* bei A&O Shearman. Also: einiges hat sich verändert. 2019 ernannte mich Jones Day zum Partner in Frankfurt. Der Prozess dahin war unmerklich und die Überraschung im Dezember 2018, als ich einen Anruf vom damaligen Managing Partner von Jones Day Steve Brogan erhielt, um so größer. „Welcome to the partnership as of January!“ Ein irgendwie großer Schritt, der aber selbstverständlich war und selbstverständlich kam. Ein gutes Gefühl. Auf dem Rückweg von meinem ersten größeren europäischen Partnermeeting im März 2019 klingelte dann erneut das Telefon und Charlotte Willemer rief an. Sie war eine Freundin einer Freundin, wir kannten uns halbwegs und sie arbeitete seit Jahren bei (damals) Allen & Overy (A&O), wo sie insbesondere mit Marc Zimmerling und Wolf Bussian gemeinsam wirkte, seit sie alle drei von Hogan Lovells zu A&O gewechselt waren.
Charlotte fragte mich, ob ich mir nicht vorstellen könnte, nochmal die Kanzlei zu wechseln – was damals vollkommen fernliegend war. Aber nach drei Mal drüber schlafen, dachte ich dann doch, warum nicht wenigstens mal Mittagessen gehen mit „denen“, also mit Marc, Wolf und Erik Windthorst, der ebenfalls dort Partner war. Es gab nach dem Weggang von Daniel Busse mit seinem Team im Jahr 2018 eine große Lücke für International Arbitration bei A&O und dort etwas Neues aufzubauen, klang sehr spannend. Nachdem ich (mindestens) dreimal abgesagt hatte und dann doch fünfzehn Interviews mit 22 Partnern geführt hatte, wurde es doch immer klarer: Die Chance ist zu groß, das Litigation Team in Deutschland und auch das globale Arbitration Team ist im Vergleich zu gut, die Plattform ebenfalls, um es nicht zu machen.
Und so hatte ich nach einem vor-vor und einem vorletzten Gespräch in London mit Karen Seward, eine unglaubliche Frau, ein letztes lateral hiring-Interview ebenfalls in London. Parallel verlief der Kündigungsprozess, also die Mitteilung, dass ich Jones Day verlassen wollte. Dort bin ich mit sehr schlechtem Bauchgefühl gegangen, aber trotzdem in dem Wissen, das Richtige zu tun. Im Februar 2020 fing ich dann bei A&O als Partner an und würde es immer wieder so machen. Wir sind inzwischen hier zehn Anwält:innen im Team, die jedenfalls auch Arbitration machen, das Team ist größer und internationaler geworden als es vormals war, und ich freue mich jeden Tag, ins Büro zu kommen.
Und jetzt sind wir „A&O Shearman“ und mittendrin in einem der größten Merger der Kanzleiwelt. Das von innen miterleben zu dürfen, ist sehr spannend und ich bin davon überzeugt, dass wir damit an der Spitze des globalen Rechtsmarkts angekommen sind.
Was waren Deine größten Learnings der vergangenen Jahre, insbesondere auch im Zusammenhang mit den beruflichen Veränderungen?
Bleib wie Du bist. Mach, was Dir Spaß macht und Dir guttut. Behandle andere fair. Sei flexibel. Sei offen. Der Rest kommt dann irgendwie von selbst.
Was würdest Du mit Blick auf die juristische Ausbildung und / oder Deinen Berufseinstieg heute anders machen, und was auf jeden Fall genauso? Wieso?
Alles in jedem Fall genauso. Ich habe wirklich nichts, das ich bereue – jedenfalls nichts, was mit dem Studium oder Berufseinstieg zu tun hat. Die Teilnahme am Vis Moot war genau richtig, das Studium in Heidelberg bis zum ersten Examen war genau richtig; auch der zweite Versuch im ersten Examen war genau richtig. Der Wechsel nach Hamburg zum Referendariat in Schleswig-Holstein war genau richtig; parallel arbeiten bei CMS in Hamburg war genau richtig; Wahlstation in der Schweiz war genau richtig; der Anfang bei Freshfields in Hamburg war richtig, der Wechsel in die Schweiz war genau richtig und der Wechsel zurück nach Deutschland zu Jones Day war auch genau richtig. Von daher: Alles richtig gemacht. Ich wäre ohne diese Schritte nicht da, wo ich heute bin – und mir geht es gut, da wo ich heute bin.
Was möchtest Du uns sonst noch mitteilen?
Da ich dankenswerterweise mit Dr. Nadja Harraschain zusammenarbeiten darf, habe ich viel mehr Einblick in die Themen, die jüngere Juristinnen bewegen. Und daher habe ich auch selbst meinen Blick auf die Dinge etwas geändert. Die Arbeit, die breaking.through leistet und auch andere Menschen, die Vorbilder sichtbar machen, ist wirklich wichtig. Das war mir vorher nicht so bewusst.
Vielen Dank für das spannende Interview!
Frankfurt am Main, 18. Februar 2025. Das Interview führte Mara Alin Brinker. Anna Masser hat die Fragen schriftlich beantwortet.
*Die Interviewte bevorzugt den im Englischsprachigen Raum geläufigen Begriff als Berufsbezeichnung.
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